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Der Grand Prix ist immer für Überraschungen gut

Hape KerkelingHape Kerkeling wird in diesem Jahr die deutschen Punkte beim Eurovision Song Contest ansagen. Was ihn an dieser Aufgabe so reizt und warum er einen Sieg Lenas in Oslo für möglich hält, erzählt er im Interview mit NDR 2.

NDR 2:Für ihn geht ein zumindest ein Teil seines Lebenstraum in Erfüllung. "Ich möchte einmal diese 24 Nationen abfragen", erzählt Hape Kerkling schon seit Jahren in Interviews. Er ist ein Riesen-Grand-Prix-Fan und träumt von Eurovision Song Contest in Deutschland. Dieses Jahr, am 29. Mai, darf er die deutschen Punkte verkünden, live von der Hamburger Reeperbahn, wo traditionell die größte deutsche ESC-Party gefeiert wird. Haben Sie schon geübt für den großen Abend?

Kerkeling: Der Witz ist ja, das unser Interview sicher länger dauert, als die Aufgabe, die mir da übertragen wurde. Man liest ja nur noch die acht, zehn und zwölf Punkte vor - und das dauert schlappe 30 Sekunden - und dann ist es schon vorbei.

NDR 2:Am Anfang bedankt man sich ja für den wundervollen Abend, so was wie 'Thank you for this wonderful show tonight'. Haben Sie sich da schon einen Satz zu Recht gelegt?

Kerkeling: Das wird zwangsweise alles in norwegisch sein müssen, und da bin ich noch dabei und werde meine liebe Freundin Wencke Myhre noch einmal anrufen.

NDR 2:Dann kommen die deutschen Punkte - möglicherweise für so tolle Länder wie Mazedonien oder Moldau. Preisfrage: Wo liegt Moldau?

Kerkeling: Das kann ich Ihnen genau sagen: Moldau liegt relativ eingeklemmt zwischen Rumänien und der Ukraine.

NDR 2:Das stimmt!. "...and twelve points go to..." - wie oft wird dieser Satz vor dem Spiegel geübt?

Kerkeling: Ach, ich traue mir zu, dass auf englisch relativ fehlerfrei herauszubringen. Es kann natürlich sein, dass bei wunderschönem Wetter auf dem Spielbudenplatz dass in Oslo nicht verstanden wird, weil so ein Gegröhle ist. Das ist nicht auszuschließen.

NDR 2:Warum reizt Sie diese Punktevergabe so?

Kerkeling: In diesem Jahr reizt sie besonders, weil wir eine unglaublich tolle Repräsentantin haben, die mit einem tollen Lied antritt und der ich auch die Daumen drücke. Und es reizt besonders, weil in der Tat die Möglichkeit besteht, dass Deutschland nach knapp 28 Jahren vielleicht, vielleicht den Pott wieder holt.

NDR 2:Haben Sie denn die anderen Songs schon gehört?

Kerkeling: Ich habe eigentlich fast alles gehört, das ist so eine Pflichtübung wenn man die Punkte vergibt. Da finde ich, schneidet Lena schon ziemlich gut ab. Auch bei den Wettbüros in England steht sie ja ganz oben und das ist zumindest ein Indiz dafür, dass sie nicht Vorletzte wird.

NDR 2:Wenn Lena gewinnt, könnte sich ja der ganz große Traum erfüllen: Moderieren Sie dann die große Show hier aus Deutschland?

Kerkeling: Wir müssen erst mal gucken, was in Oslo passiert. Der Grand Prix ist immer für Überraschungen gut und wir schauen mal, was am Ende dabei rauskommt.

NDR 2:Sie haben ja auch schon gesungen, als Uschi Blum zum Beispiel mit ausgesprochenem Grand Prix tauglichen Liedgut. Wäre es da nicht einfacher, als Sänger dabei zu sein anstatt als Moderator?

Kerkeling: Das will ich nicht ausschließen, das ist ja auch eine Spaßangelegenheit. Ich könnte mir schon vorstellen, dass Uschi dort einmal auftreten wird. Sie wird natürlich keine Chance haben, auf die vorderen zehn Plätze zu kommen, aber dann muss das mal als Spaß sehen.

NDR 2:Glauben Sie, dass Lena, unabhängig von ihrem Erfolg in Oslo, noch ganz groß rauskommen wird?

Kerkeling: Ich hoffe, dass sie nicht von der Bildfläche verschwindet. Ich halte sie für eine starke Persönlichkeit und für eine große Künstlerin. Lena kriegt das schon hin.

NDR 2:Haben Sie Lena schon kennengelernt?

Kerkeling: Nein, ich werde sie spätestens in der Finalwoche in Oslo kennenlernen. Ich werde vor dem Finale in Oslo sein und mir ein Halbfinale anschauen, um die Stimmung auch vor Ort mitzuerleben.

NDR 2:Woher kommt eigentlich diese Grand Prix Faszination?

Kerkeling: Das kann ich ihnen nicht sagen. Ich glaube das war die einzige Sendung in den 70ern und 80er Jahren, die man im piefigen deutschen Fernsehen sehen konnte. Da hatte man die Chance mal griechisch zu hören, man konnte serbokroatisch oder finnisch hören - Sprachen, die man sonst ja nie hört. Ich finde es auch bedauerlich, dass jedes Land auf englisch singen kann. Es wäre viel schöner, wenn die Länder in ihrer eigenen Sprache singen müssten. Dann haben nur die mehrsprachigen Länder wie die Schweiz oder Belgien den Vorteil sich eine Sprache aussuchen zu können - aber ich fand das schöner.

NDR 2:Was wäre denn Hape Kerelings ganz persönlicher Twelve-Point-Auftritt: Eher mit einer melodramatischen maltesischen Diva mit Glitzerkleid oder doch eher die ukrainische Pyrotechnik-Show?

Kerkeling: Die ukrainische Pyrotechnik, die am Ende auch noch zu Halbnacktheit führt, ist nicht so ganz meine Welt. Da ist mir die maltesische Matrone, die so tut als wäre sie Céline Dion, lieber.

NDR 2:Zum Schluss noch eine Frage: Wird denn wirklich Hans-Peter Kerkeling die Punkte ansagen, oder übernimmt das Uschi Blum?

Kerkeling: Let yourself surprise!

NDR 2:Oder Horst Schlämmer?

Kerkeling: Wäre auch nicht schlecht - sein Schnarchen klingt ja schon wie twelve points.

NDR 2:Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Tim Krohn, NDR 2.